Erstes Viertel, Quartalsbericht und was ich bis jetzt gelernt hab

Am Wochenende ist der erste November und damit bin ich dann 3 Monate hier, also ein Viertel meines Jahres ist schon vorbei. Richtig heftig, wie schnell das ging... 
Deswegen habe ich jetzt auch meinen ersten Quartalsbericht geschrieben, den ich ans Ende hängen werde. 
Es war richtig schwer die drei Monate auf zwei Seiten irgendwie ansatzweise zusammenzufassen.
Während dem Mittagessen heute hab ich mal so überlegt, was ich denn bis jetzt über Chile „gelernt“ hab beziehungsweise, was mir mit der Zeit aufgefallen ist. Deswegen gibts jetzt 10 Punkte, die aber nicht ganz so ernstzunehmen sind:

1. Alles geht süßer... und wenn es nicht süßer geht, dann auf jeden Fall fettiger.

2. Dazu passt dann auch: Es ist viel günstiger und einfacher sich ungesund, als gesund, zu ernähren.

3. Ungesüßten Joghurt und ungesüßten Orangensaft findet man einfach nicht..

4. Isolation und  Heizung für den Winter braucht man nicht. 

5. Von wegen es gibt kaum Regentage im Monat.

6. Alles, und wirklich alles, kann und sollte mit Chlor sauber gemacht werden. 

7. Klingeln? Gibts nicht, man kann ja auch vor dem Haus rumschreien, dafür sind Gitter überall lebensnotwendig..

8. Grundsätzlich ist alles gefährlich. Irgendwem ist irgendwo immer schonmal was passiert.

9. Kinder sind am besten mit Keksen bestechbar.

10. Und jedes Kind kann vom Sonnenschein zur Furie werden.

Bis zur nächsten Woche :)



1. Quartalsbericht
So. Ich weiß gar nicht, wie ich meinen ersten Quartalsbericht anfangen soll, aber es ist einfach total seltsam zu wissen, dass ich jetzt schon 3 Monate hier bin und damit ein Viertel meines Jahres hinter mir habe. Und dabei weiß ich noch genau, wie ich am ersten August ankam, es eiskalt war und mein Rucksack eigentlich viel zu schwer, um ihn zu tragen. Zusammen mit den anderen Chile-Freiwilligen kam ich nach der Gepäckausgabe in die Empfangshalle und da standen dann auch schon ein paar der alten Freiwilligen zusammen mit unserer Freiwilligenbetreuerin Helga und haben schnell mit Fahnen auf sich aufmerksam gemacht und uns dann auch ganz herzlich begrüßt.
Unsere Freiwilligenbetreuerin fand ich von der ersten Sekunde an total sympathisch und zu den alten Freiwilligen hab ich einfach nur gedacht, dass ich in einem Jahr wahrscheinlich genauso verrückt sein werde und dass die einfach schon das ganze Jahr hinter sich haben, das nun vor mir liegt.
In der fremden Winterluft haben wir dann noch auf die Busse gewartet, die uns zum Verwaltungsgebäude der Fundación Cristo Vive (EFPO) gebracht haben.
Auf der Fahrt vom Flughafen zur EFPO wurde mir dann erstmal bewusst, wie riesig diese Stadt eigentlich ist und danach fiel mir auf wie viele Plastiktüten und Müll herumliegen.
Ich habe zwar jetzt mit der Zeit gesehen, dass das in den reichen Vierteln nicht so ist, aber in unseren Viertel ist es schon ziemlich dreckig.
Nach kurzem Kennenlernen in der EFPO, erfuhr ich dann, dass ich doch nicht in das Freiwilligenhaus kam, welches ursprünglich zu mir gesagt wurde, sondern stattdessen mit drei fremden Cristo Vive Freiwilligen in ein anderes Haus.
Ich war in dem Moment zwar ein bisschen überrascht, aber irgendwie hab ich mich einfach auf die „Überraschung“ gefreut und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich so froh mit meinen Mitbewohnern bin und auch unser Haus ist einfach perfekt.
Meine Cristo Vive Freiwilligen kamen aber erst eine Woche später und so waren noch die alten Cristo Vive Freiwilligen da, die mir alles erklärt haben und mich auch viel mitgenommen haben.
Das war echt gut so, da ich dann meinen Mitbewohnern alles weiter erklären konnte und auch schon ein paar „Geheimtipps“ und Tricks gesagt bekommen hatte.
Außerdem war es richtig gut, an einem Samstag anzukommen, denn so hatte ich den Sonntag erstmal frei und dann fing am Montag unser Programm mit Helga an. Dazu gehörten dann Sachen wie den Ausweis zu beantragen, ein erstes Mal in unserer Einsatzstelle vorbeizuschauen und den Weg zur Sprachschule kennenzulernen.

Zu dieser ging es dann erstmal die nächsten zwei Wochen jeden Tag in der überfüllten Metro und Mittags konnten wir dann auch gut noch die Stadt ein bisschen kennenlernen.
Ich konnte zwar schon von der Schule Spanisch, aber da ich es vor zwei Jahren abgewählt hatte, war doch viel in Vergessenheit geraten und das wurde in der Sprachschule super wieder aufgefrischt.
Dazu habe ich die ersten Vokabeln des „chilenischen Spanisch“ kennengelernt, was auf jeden Fall wichtig war.
Nach der Sprachschule ging es dann mit gemischten Gefühlen schließlich ans Arbeiten in meiner Einsatzstelle, der Sala Cuna Millaray.
In meiner ersten Woche war ich dort zweimal. Einmal wurden die andere Freiwillige, die mit mir dort arbeitet, und ich von Helga hingebracht und, da die Direktorin gerade nicht da war, von ihrer Vertretung durch die vier verschiedenen Gruppen geführt, wobei wir dann in jeweils unterschiedlichen Gruppen für einen halben Tag geblieben sind und die Arbeit kennenlernen durften.
Das zweite Mal sind wir dann für einen ganzen Tag dort gewesen, wobei ich an diesem Tag nicht wirklich wusste, was ich machen sollte und dann den Tag nur mit den Kindern gespielt habe.
Eine richtige Begrüßung gab es also nie und insgesamt fand ich es ein bisschen schade, dass wir die verschiedenen Regeln nie offiziell gesagt bekommen haben, sondern erst dann von den Erzieherinnen darauf aufmerksam gemacht wurden, dass die Direktorin das nicht möchte, wenn wir uns schon falsch verhalten hatten.
Zumindest hat es mit der Kommunikation zwischen den Erzieherinnen und mir eigentlich von Anfang an mehr oder weniger gut geklappt.
Nur Vokabeln wie „Töpfchen“, „Windel“ und „wickeln“ musste ich erst noch lernen, weswegen es am Anfang ziemlich lang gedauert hat mir Dinge, die ich tun sollte, zu erklären.
Nachdem dann die Direktorin wieder da war, wurden wir von ihr in vorläufige Gruppen eingeteilt, wobei ich in der Gruppe mit den 2-Jährigen, also den größten Kindern der Sala Cuna gelandet bin und damit bin ich auch echt zufrieden, nachdem ich in den anderen Salas schon ein paar mal ausgeholfen hab.
Mein Tagesablauf ist meistens ziemlich gleich, also hier ein ungefährer Ablauf.
Morgens geht es um 8.15 Uhr mit dem Fahrrad los, um dann um 8.30 mit der Arbeit zu beginnen.

Nachdem ein paar Kinder angekommen sind, gibt es dann Milch und anschließend dürfen die Kinder frei spielen und meistens gibt es irgendeine Aktivität, die von den Erzieherinnen gemacht wird. Da die Kinder dreimal am Tag gewickelt werden, folgt dann die erste Wickelrunde, die ich meistens übernehme. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich mich daran gewöhnen würde ohne Handschuhe, Feuchttücher oder ähnliches zu wickeln, aber mittlerweile ist es einfach total normal geworden.
Um halb 12 gibt es dann das Mittagessen für die Kinder und anschließend wickelt eine meiner zwei Erzieherinnen und ich wasche den Kindern die Hände, das Gesicht und putze die Zähne. Dann werden alle in den Schlaf gestreichelt und um 13 Uhr geht es für zwei von uns drei in die Mittagspause, die in zwei Schichten stattfindet, damit immer jemand bei den Kindern ist. Danach schlafen die Kinder meistens noch mindestens eine halbe Stunde, sodass ich meistens noch gelesen habe bis die Kinder dann aufwachen und angezogen werden, um dann die Nachmittagsmilch zu trinken.
Um 16.30 Uhr werden dann die Kinder abgeholt und die Sala wird aufgeräumt.
Einige Kinder bleiben aber noch bis 17.30 Uhr und so heißt es dann, die Zeit irgendwie zu überbrücken ohne ganz untätig herumzusitzen.
Punkt 17.30 Uhr geht es dann schnell heim, um die wenige Zeit, die man abends noch hat, irgendwie noch zu nutzen.
Einmal im Monat gibt es dann auch die sogenannte „Reunion“, bei der wir uns mit unserer Freiwilligenbetreuerin Helga treffen und uns austauschen oder Teile der Fundación kennenlernen, wie zum Beispiel die zugehörige Krankenstation oder die Berufsschule.
Insgesamt können wir uns echt Tag und Nacht melden, wenn irgendwas nicht funktioniert oder wir sonst ein Problem haben.
In der Kinderkrippe wird die Arbeit von Tag zu Tag besser und bald stehen auch die ersten Planungen für den Adventskalender und vielleicht für ein Projekt an.
Das müssen wir uns aber erstmal einfallen lassen und dann auch organisieren und planen.
Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass ich irgendwann auch mal Aktivitäten organisiere und mich noch mehr in den Alltag mit einfügen kann.
Und so komm ich jetzt mal zum Schluss...

Insgesamt sind die 3 Monate rasend schnell vorbeigegangen und trotzdem habe ich schon so viel gemacht und erlebt.

Von einem heftigen Erdbeben, zu Regenüberschwemmungen, zum Feiern des Nationalfeiertags und schließlich zu unserem ersten Wochenendurlaub in Valparaiso am Meer.
Bis auf das Kranksein und den Regen dann doch ein echt gutes Fazit für die ersten 3 Monate und so beende ich meinen ersten Quartalsbericht.

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